Mein Facebook-Boycott, oder: Warum ich da nicht mitmache.

Hin und wieder werde ich gefragt, warum ich denn eigentlich nicht "bei Facebook bin". Nun, zunächst einmal muss ich klarstellen: Ich bin da schon vertreten, allerdings mit einem komplett leeren Profil, das nichts anderes enthält als Informationen, wie man mich "richtig" (d.h. per E-Mail) kontaktieren kann, sowie wie man meine Website erreicht. Mehr habe ich mit Facebook nicht am Hut - außer zum Hinterlassen dieser Nachricht habe ich mich da praktisch nie wieder eingeloggt, und irgendwelche Freundschaftsanfragen von Leuten, die meine auf Facebook hinterlegte "Ich nutze Facebook nicht"-Nachricht offensichtlich nicht verstanden haben, werden strikt ignoriert, selbst wenn sich Angela Merkel höchst persönlich bei mir um die Freundschaft bewerben würde (was wir auch lieber nicht hoffen wollen).

Jetzt mag der geneigte Leser sich natürlich fragen, warum ich ein solch ekzentrisches Verhalten an den Tag lege und eine starke Abneigung gegen das Gesichterbuch habe. Tja, da kann ich natürlich direkt mal nachhelfen und ein paar Begründungen liefern.

Zunächst einmal ist Facebook, wie man sofort merkt, eine abgeschottete Insel im Internet (im Englischen auch "Walled Garden" genannt). Das bedeutet nichts anderes, als dass man dort praktisch überhaupt nichts sinnvolles - noch nichmal "nur schauend" - tun kann, ohne sich vorher zu registrieren und den Facebook-Machern dabei schon die erste Ladung persönlicher Daten in den Allerwertesten zu blasen, wenn ich mich hier mal gewählt ausdrücken darf. Jeder, der schon mal auf der Facebook-Homepage war, wird das riesengroße Registrierungsformular bereits gesehen haben. Das ist sozusagen das Tor zur Hölle. Man darf andächtig davor stehen bleiben und sich fragen, warum denn die Textfelder eben dieses Formulars so rentnermäßig groß sind und der "Sign Up"-Button gerade giftgrün sein muss, aber nachdem man sich über diese Dinge ein klein wenig lustig gemacht hat sollte man auf jeden Fall umkehren und in die andere Richtung wieder fortgehen. Auf keinen Fall sollte man das Formular ausfüllen und per Druck auf den grünen Button den Weg in die Hölle beschreiten.

Was würde passieren, wenn man dies dennoch täte? Dann hätte einen Satan höchstpersönlich am Schlaffitchen. Die ersten persönlichen Daten - zumindest den Namen, das Geschlecht, das Geburtsdatum und die E-Mail-Adresse des ahnungslosen Opfers hätte er dann bereits. Und im nächsten Schritt würde das ahnungslose Opfer - zu allem Überfluss auch noch "freiwillig" - damit beginnen, den großen Satan mit noch mehr Daten zu füttern. Das eigene Profil. Die eigenen Freunde. Private und öffentliche Nachrichten. Fotos. Die eigene Seele.

Das alles ist hochbedenklich und wiederspricht vor allem fundamental der eigentlichen Grundidee des Internets. Nicht umsonst hat ja Tim Berners-Lee, Erfinder des World Wide Webs, vor einiger Zeit Facebook und Apple als "Gefahr für das Web" bezeichnet. Die Grundidee des Internet basiert nämlich NICHT auf einer Firma wie Facebook, die alle persönlichen Daten einsackt und über deren Systeme Millionen von Menschen ausschließlich kommunizieren. Stattdessen basiert das Internet darauf, dass jeder ganz frei und unabhängig als Informationsanbieter und Konsument auftreten kann, dass die verschiedensten Systeme und Informationen miteinander vernetzt und verknüpft werden können, und dass es eben keine zentrale Instanz gibt. Das, was Facebook da macht, ist eher wieder ein Rückschritt in die prähistorische Zeit, als Onlinedienste wie CompuServe und AOL noch große Bedeutung hatten und das Internet, zumindest bei Otto Normalverbraucher, noch keine Rolle spielte. Ein freies und offenes Internet ist auf jeden Fall einem de-facto durch eine oder wenige Firmen (und da gucke ich auch in Richtung Google, wo ich schon mal dabei bin) kontrollierten Internet bei weitem vorzuziehen. Nur durch diese Freiheit und Unabhängigkeit ist das Internet überhaupt zu dem geworden, was es heute ist, und dieses Erbe sollten wir verteidigen!

Unabhängig von dieser philosophischen Frage muss man sich natürlich ganz praktisch fragen, was Facebook eigentlich mit den ganzen Daten macht, die ihm seine armen User so alle preisgeben. Von verschiedenen Datenschutz-Skandalen konnte man in diesem Zusammenhang ja schon des Öfteren hören, so dass ich da jetzt nicht extra noch etwas zu schreiben muss. Fragwürdiger und unauffälliger ist aber auf jeden Fall, was Facebook werbe-technisch mit Deinen Daten so treibt. Hier will ich gar nicht mutmaßen oder irgendwelche Verschwörungstheorien aufstellen. Fest steht aber auf jeden Fall, dass Benutzerdaten zumindest "anonymisiert"(?) für gezielte Werbeeinblendungen, etc. verwendet werden. In zunehmendem Maße zielt Facebook auf jeden Fall darauf ab, kommerzielle Unternehmen als (für Werbung zahlende) Benutzer zu gewinnen, um der Facebook-Schar in vertratuer Atmosphäre, wo man mit seinen "Freunden" redet, auch die ein oder andere kommerzielle Botschaft einzustreuen.

Wo wir gerade schon bei Freunden sind: Der Sinn und Zweck, weshalb man in der Hölle ... öhm, ich meine auf Facebook, hunderte von Leuten, die man teilweise noch nie persönlich gesehen hat, als "Freunde" bezeichnet, ist mir auch schon seit jeher ein Rätsel. Das ganze hört sich für mich nach einer Pervertierung des Begriffs "Freund" an. Vielleicht bin ich aber auch nur zu altmodisch und habe noch nicht mitbekommen, dass Idiot Neuerdings ein Synonym von Freund ist, und das Facebook-Extreme-Friend-Adding scheinbar eine neue Sportart ist. Wie viele dieser "Freunde" nicht eigentlich nur sehr gut verdeckte, unlautere Marketing-Zwecke verfolgen, kann man auch nur ahnen - vielleicht will man's auch lieber gar nicht wissen, da man sich sonst schon ernsthaft fragen müsste, ob durch Facebook nicht eine gewisse Art der Massen-Gehirnwäsche überhaupt erst möglich geworden ist. Auf jeden Fall nach dem Waschen das Gehirn schön abtrocknen, sonst fängt die alte Schwarte noch an zu schimmeln!

Sonst noch was? Nee, erst mal nicht. Ich glaube, das obige sollte all den Leuten, die mich immer mal wieder fragen, warum ich denn nicht bei Facebook bin, erst mal als Begründung ausreichen. Obwohl ich natürlich in erster Linie dafür bin, dass jeder das machen darf und sollte, was er für richtig hält, kann ich nur empfehlen: Boykottiert Facebook! Wenn ihr schon dabei seid, boykottiert auch Google und Apple. Und dass man Microsoft eher meiden sollte ist ja nichts so ganz Neues mehr. Vertreidigt stattdessen das freie und unabhängige Internet, benutzt GNU/Linux und andere freie Software - macht die Welt einfach zu einem besseren Ort! Und bewahrt arme kleine Kinder vor der Höllentür mit den großen Textfeldern und dem grünen Button, falls ihr mal welche davor stehen sehen solltet.