Sekundenkleber

Sehr geehrte Damen und Herren,

eben gerade hatte ich einen kleinen Schaden. Nun, wer mich kennt wird gleich widersprechen und meinen: Ich habe immer einen Schaden, und der ist auch nicht klein, sondern groß. Ja, das mag sein, ist aber ein ganz anderes Thema, denn mir geht es konkret um Folgendes: An meinem Rechner ist gerade ein kleines Teil abgefallen, und zwar so ein merkwürdiger Gummipröpel, der neben der Tastatur sitzt und dafür sorgt, dass bei zugeklapptem Bildschirm dieser nicht auf die Tasten der Tastatur gedrückt werden kann. Ist schon toll, was sich die lieben Taiwanesen bei Asus so ausdenken, nicht wahr? Schade nur, dass sie (oder eher ihre Herstellungs-Sklaven in China) diesen kleinen Pröpel dann nicht vernünftig festgeklebt haben, denn wie bereits erwähnt: Er ist gerade abgefallen.

Was macht man da? Man guckt zunächst einmal ganz ungläubig, bevor man dann den Ärger langsam in einem aufsteigen spürt. Dann macht man einen Plan und rennt durchs Haus. Sekundenkleber! Ja, genau, damit wird sich das Problem lösen lassen! Und in irgendeiner Schublade müsste auch noch eine Tube dieser schönen Substanz liegen. Also macht man sich auf die Suche. Und bekommt dabei auch durchaus Zweifel: Hat die Erfahrung aus der Vergangenheit nicht gezeigt, dass Sekundenkleber nur deshalb Sekundenkleber heißt, weil er nur wenige Sekunden lang klebt und das damit befestigte Teil danach gleich wieder abfällt? Gut möglich, aber man ist bereit, es zu riskieren.

Irgendwann hatte ich die Tube dann gefunden. Richtig heavy das Zeug, steht was von "Rocket Glue" drauf! Und in der Tat, die Kappe war auch gleich so fest an der Tube festgeklebt, dass sie sich nicht öffnen ließ. Das wirkt schon mal etwas beruhigend, was die Wirksamkeit des Klebers angeht. Also wird ein "zweiter Eingang" in die Tube gelegt und gleich mal ein bißchen der transparenten Wunderflüssigkeit entnommen. Erst mal dran riechen. Drei weiße Elefanten gesehen, ja, das muss wirklich schon etwas von dem besseren Zeug sein. Also ran an die Arbeit!

Man trägt also etwas von diesem Kleber an der Stelle auf, an der man das abgefallene Teil gerne befestigen würde. Dann drückt man das Teil dort fest, wartet einige Sekunden, und ... es löst sich direkt wieder. Hmmm ... nochmal drücken. Löst sich wieder. Mehr Kleber! Nochmal drücken! Löst sich wieder! Nochmal dran riechen? Nein, lieber nicht!

Merkwürdig. Also werfe ich mal einen Blick auf die Tube, und da steht: "Warnung: Klebt innerhalb von Sekunden Haut und Augenlider zusammen!"

Damit ist ja wohl alles klar: Habe ich doch mal wieder das falsche Produkt gekauft! Ich will doch gar keine Haut und Augenlider zusammenkleben, ich will Gummi auf Plastik kleben. Dafür scheint das Zeug wohl nicht geeignet zu sein. Na schade, mein Fehler! Aber wenn ich's mir recht überlege: Wer klebt denn eigentlich Haut und Augenlider zusammen? Ich stell's mir gerade vor: Kleber auf Zeigefinger, Zeigefinger an Auge, kurz drücken. Hmm, ich bilde mir ein, dass jemand, der soetwas macht, danach zwangsläufig in einer ganz merkwürdigen Haltung durch die Gegend läuft. Aber es wäre mir aufgefallen, wenn mir so jemand schon mal über den Weg gelaufen wäre. Deswegen ganz ehrlich: Wer macht sowas, und er kauft diesen Kleber. Habt Ihr eine Idee? Sachdienliche Hinweise sind wie immer unter nholland@tisys.org willkommen!

Tja, dann war das wohl nichts mit dem Kleben. Also doch nochmal dran riechen? Hmmm....

Ach ja, ein ganz anderes Thema noch: Zugangskennwörter mit Groß- und Kleinschreibung und Sonderzeichen sind völlig unbrauchbar, da man sie nicht eintippen kann, während man einen Keks isst. Jedenfalls nicht, wenn man den Keks wie ein gesitteter Mensch in einer Hand halten möchte. Wenn man bereit ist, ihn wie ein Gorilla kurzzeitig nur mit dem Mund zu halten, dann vielleicht schon. Von daher rege ich an, dass Ihr bei den Leuten, in deren Computer Ihr Euch reinhacken wollt, einfach beobachtet, wie sie ihre Kekse essen. Wenn nur im Mund gehalten: Keine Chance, Person hat ein komplexes Kennwort. Wenn in der Hand gehalten: Perfektes Opfer, Person kann kein schwieriges Kennwort haben. Aber erzählt niemandem, dass Ihr diesen Trick von mir habt.

In diesem Sinne ... ich muss jetzt weg. Mein Schweißgerät suchen. Das hält wenigstens. Ist zwar nicht für Plastik geeignet, aber das war der Kleber ja auch nicht...